Anfang Jänner ist das Fitnessstudio voll mit Leuten, die im März nicht mehr dort sein werden. Das ist keine Häme, das ist Statistik, und ich habe selbst schon zweimal dazugehört.
Was bei mir dagegen hält: Gehen. Nicht Wandern, nicht Sport, einfach Gehen. Eine Stunde, nach dem Mittagessen, bei jedem Wetter. Es klingt lächerlich unspektakulär, und genau deshalb funktioniert es.
Warum gerade der Jänner
Die Tage werden wieder länger, aber langsam. Anfang Jänner hat man bis knapp nach vier Licht, Ende des Monats schon fast eine Stunde mehr. Diese Zunahme spürt man, und zwar überraschend deutlich, wenn man regelmäßig draußen ist.
Dazu kommt die Luft. Ein klarer Jännertag in Salzburg hat eine Sichtweite, die es im Sommer nie gibt. Man sieht vom Salzachufer aus die Berge, als wären sie zehn Kilometer näher gerückt. Und wenn Schnee liegt, wird die Stadt still auf eine Art, die man sonst nie erlebt.
Die Uferrunde: für den Kopf
Die einfachste und unterschätzteste Runde führt einfach am Salzachufer entlang. Auf der einen Seite hinauf, über eine Brücke, auf der anderen zurück. Je nachdem, welche Brücken man nimmt, hat man vierzig Minuten oder eineinhalb Stunden.
Der Vorteil: keine Steigung, kein Nachdenken über den Weg, ganzjährig geräumt. Der Nachteil: Es kann sehr kalt werden, weil vom Wasser her ein Zug geht, den man erst merkt, wenn man schon zwanzig Minuten unterwegs ist. Handschuhe sind hier keine Übertreibung.
Der Mönchsberg: für den Kreislauf
Wer etwas mehr will, geht hinauf. Die Stiegen sind im Winter der ernsthafte Teil - bei Nässe und Frost können sie rutschig sein, und die schattigen Abschnitte trocknen tagelang nicht ab. Schuhe mit Profil, keine glatten Sohlen, das ist kein Detail.
Dafür bekommt man oben eine Stadtansicht, die im Winter besser ist als im Sommer, weil die Bäume kahl sind und man dadurch mehr sieht. Und wenn unten Nebel liegt und man oben herauskommt, ist es der beste Nachmittag der Woche.
Der Kapuzinerberg: für die Ruhe
Steiler, waldiger, weniger Leute. Im Winter kann der obere Teil ziemlich einsam sein, was je nach Charakter Erholung oder Unbehagen ist. Ich gehe dort gerne allein, aber ich würde nicht bei einbrechender Dunkelheit hinaufgehen, weil die Wege nicht durchgehend beleuchtet sind.
Der Mirabellgarten: für zwischendurch
Im Winter ist der Mirabellgarten ein anderer Ort als im Sommer. Die Beete sind leer, die Struktur der Anlage tritt hervor, die Statuen stehen ohne den Rahmen aus Blumen da. Es ist eine strengere, klarere Version desselben Gartens, und wenn Raureif auf den Hecken liegt, sieht es aus wie eine Radierung.
Für eine volle Runde ist er zu klein. Als Zwischenstück auf einem längeren Weg ist er perfekt.
Was Sie wirklich brauchen
- Schuhe mit Profil. Der wichtigste Punkt, und der, an dem die meisten sparen.
- Eine Haube. Der Körper verliert über den Kopf am schnellsten Wärme, und im Jänner merkt man das nach zwanzig Minuten.
- Handschuhe, die auch nass noch funktionieren. Baumwolle tut das nicht.
- Kein Sportgewand. Sie gehen spazieren, nicht in den Halbmarathon.
Der Trick mit dem Termin
Vorsätze scheitern, weil sie unverbindlich sind. Was bei mir geholfen hat: die Runde in den Kalender schreiben, wie einen Termin, an drei fixen Tagen. Und - noch wichtiger - jemanden dazu einladen. Man sagt sich selbst leicht ab. Einer Bekannten, die schon an der Brücke wartet, weniger leicht.
Wenn es glatt ist
Der Jänner in Salzburg bringt regelmäßig die Kombination, die am unangenehmsten ist: kein richtiger Schnee, aber überfrierende Nässe. Vor allem auf den Stiegen und in den schattigen Gassen der Altstadt.
Zwei Sachen helfen: kürzere Schritte und die Hände aus den Hosentaschen. Das klingt lächerlich, aber die meisten schweren Stürze passieren, weil jemand mit eingesteckten Händen ausrutscht und nicht abfangen kann. Wer Spikes für die Schuhe hat, nimmt sie mit - sie kosten wenig und sind auf den Bergwegen im Winter Gold wert.
Und wenn es grauslich ist?
Dann gehen Sie trotzdem, aber kürzer. Zwanzig Minuten bei Schneeregen sind besser als null Minuten bei Sonnenschein, die es erst nächste Woche gibt. Und es gibt diesen speziellen Moment, wenn man nach einer nassen Runde heimkommt, die Jacke über den Heizkörper hängt und sich einen Tee macht.
Diese fünfzehn Minuten Wärme danach sind besser als jedes Studioabo. Und sie kosten nichts.



