Der Salzburger November hat ein Talent dafür, sich anzufühlen wie ein einziger sehr langer Mittwoch. Es wird nicht richtig hell, es wird schon um halb fünf wieder dunkel, und über der Salzach hängt manchmal tagelang eine Nebelschicht, die einem das Gefühl gibt, in einem verwaschenen Foto zu leben.
Man kann dagegen nichts machen. Aber man kann etwas daneben stellen.
1. Raus, wenn es hell ist. Auch wenn es grauslich ist
Das ist der langweiligste Rat der Welt und trotzdem der wirksamste. Zwanzig Minuten Tageslicht zwischen elf und zwei, an fünf Tagen die Woche. Nicht spazieren gehen im romantischen Sinn, sondern einfach draußen sein - der Weg zum Bäcker zählt, der Umweg über den Mirabellgarten zählt doppelt.
Was viele nicht wissen: Auch bei dichten Wolken bekommt man draußen ein Vielfaches der Lichtmenge ab, die drinnen am Fenster ankommt. Das Auge merkt den Unterschied nicht, der Körper schon.
2. Über den Nebel steigen
Das ist der eine echte Salzburger Vorteil im November, und viel zu wenige nutzen ihn. Wenn die Stadt im Hochnebel liegt, reicht es oft, ein paar hundert Höhenmeter zu gewinnen, und man steht plötzlich in der Sonne. Der Gaisberg ist der klassische Ausweg, aber schon der Aufstieg auf den Mönchsberg oder Kapuzinerberg bringt an manchen Tagen genug.
Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als aus einer grauen Suppe herauszusteigen und oben blauen Himmel zu haben, während unten die Stadt in Watte liegt. Man kommt zurück und ist ein anderer Mensch.
3. Den Tag vorne beschweren
Im November verschiebt sich bei den meisten Leuten alles nach hinten. Man steht später auf, kommt schwerer in Gang, und um vier ist die Motivation weg, weil es draußen aussieht wie neun Uhr abends.
Deshalb: Legen Sie das, was Ihnen wichtig ist, in den Vormittag. Den Anruf, der unangenehm ist. Den Papierkram. Die Bewegung. Was um zehn erledigt ist, drückt nicht mehr um sechs.
4. Etwas Warmes kochen, das lange dauert
Das ist kein Rezepttipp, das ist ein Stimmungstipp. Es gibt einen messbaren Unterschied zwischen einem Abend, an dem etwas eineinhalb Stunden im Rohr steht und die Wohnung riechen lässt, und einem Abend mit einer Fertigsuppe.
Ein Krautfleisch, ein Gulasch, gebackene Erdäpfel mit Sauerrahm. Sachen, bei denen die Zeit die Arbeit macht und man selbst nur alle zwanzig Minuten in den Topf schaut. Der November ist die einzige Jahreszeit, in der das wirklich Sinn ergibt.
5. Termine ausmachen, bevor Sie sie brauchen
Der Klassiker: Man hat keine Lust auf Leute, sagt deswegen ab, und drei Wochen später merkt man, dass man mit niemandem geredet hat außer der Kollegin. Der November ist der Monat, in dem man am wenigsten Lust hat und am meisten davon hätte.
Die Lösung ist banal und funktioniert trotzdem: fix ausmachen, im Voraus, mit einem Datum. Ein Kaffeehausbesuch am Donnerstag um fünf ist schwerer abzusagen als ein vages „wir sollten uns wieder mal treffen". Und man ist danach ausnahmslos froh, dass man hingegangen ist.
6. Das Wohnzimmer umbauen, nicht das Leben
Kleine Sachen mit großer Wirkung: eine zweite Lichtquelle im Raum, die nicht von der Decke kommt. Warmes Licht statt kaltweiß. Der Sessel so gedreht, dass man aus dem Fenster schauen kann statt auf die Wand.
Und wenn wir schon dabei sind: Der November ist ein sehr guter Monat, um eine Lade auszuräumen. Nicht die ganze Wohnung, das überfordert nur. Eine Lade. Es ist erstaunlich, wie viel Ordnung an einem einzigen kleinen Ort dem Kopf gibt.
Und was mit dem Schlaf?
Im November schlafen viele Leute mehr und fühlen sich trotzdem müder. Das ist keine Einbildung, das hängt mit dem Licht und mit der Uhrumstellung Ende Oktober zusammen, die den Körper ein paar Wochen lang aus dem Takt bringt.
Was tatsächlich etwas bringt: eine halbwegs konstante Aufstehzeit, auch am Wochenende. Wer unter der Woche um sechs aufsteht und am Samstag bis elf schläft, produziert einen Jetlag ohne Flugreise. Eine Stunde Unterschied ist in Ordnung. Fünf sind es nicht.
Was nicht hilft
Sich vorzunehmen, den November zu lieben. Er ist grau, feucht, und man muss ihn nicht schön finden. Es hilft auch nicht, das Ganze mit Vorfreude auf den Advent zu übertünchen - drei Wochen sind zu lang, um sie einfach wegzuwünschen.
Was hilft, ist die Einsicht, dass dieser Monat einen anderen Rhythmus verlangt. Weniger vornehmen. Früher anfangen. Öfter draußen sein, auch wenn es unangenehm ist.
Und irgendwann, meistens Anfang Dezember, geht man abends durch die Altstadt, sieht die ersten Lichter über den Gassen hängen und denkt sich: geschafft. Der schwerste Teil des Winters liegt hinter uns, und der Rest ist eigentlich der schöne.



