Das Rad steht seit Oktober im Keller, die Reifen sind platt, die Kette hat Flugrost, und der Sattel ist grau vom Staub. So beginnt bei den meisten von uns die Radsaison. Mitte März, mit einem schlechten Gewissen und einer Luftpumpe.
Der Aufwand lohnt sich, mehr als in fast jeder anderen österreichischen Stadt. Denn Salzburg ist flach, kompakt, und die wichtigen Wege sind gut ausgebaut. Man muss nur wissen, wo.
Der Uferweg ist die Autobahn
Die Radwege an beiden Seiten der Salzach sind das Rückgrat des ganzen Systems. Kein Querverkehr, keine Ampeln, und man kommt vom südlichen Stadtrand bis in den Norden, ohne einmal absteigen zu müssen.
Wer täglich pendelt, sollte seine Route so legen, dass sie möglichst lange am Ufer bleibt, auch wenn das ein paar hundert Meter Umweg bedeutet. Die Zeit holt man locker herein, weil man nicht ständig anhalten muss.
Ein Hinweis für das Frühjahr: An warmen Nachmittagen ist der Uferweg voll mit Spaziergängern, Hunden und Kinderwagen. Das ist kein Rennstreckenersatz. Klingeln, langsam vorbei, fertig.
Wo es unangenehm wird
Ehrlich gesagt gibt es ein paar Stellen, die in dieser Stadt nicht gelöst sind, und man tut sich leichter, wenn man sie kennt statt sie zu entdecken.
- Die Altstadtgassen. Kopfsteinpflaster, Fußgänger, enge Durchhäuser. Man kommt durch, aber langsam, und in den Hauptzeiten schiebt man besser.
- Die Brückenauffahrten. Manche Rampen sind eng und werden in beide Richtungen befahren, was zu genau der Sorte Beinahe-Begegnung führt, die einem das Adrenalin hochtreibt.
- Einzelne Kreuzungen an den größeren Ausfallstraßen, wo der Radweg mitten in der Kreuzung endet und man erwartet wird, sich irgendwie einzufädeln.
Das Frühjahrsservice: was Sie selbst können
Man braucht keine Werkstatt für alles. Vier Sachen bringen den größten Effekt:
Reifendruck. Der wichtigste Punkt und der, den fast alle vernachlässigen. Ein Reifen mit zu wenig Druck fährt sich zäh, verschleißt schneller und hat mehr Pannen. Der Sollwert steht seitlich auf dem Reifen. Prüfen Sie ihn alle paar Wochen, nicht einmal im Jahr.
Kette. Mit einem Lappen abwischen, dann ein paar Tropfen Kettenöl, kurbeln, überschüssiges Öl abwischen. Das Abwischen danach ist wichtig, sonst zieht die ölige Kette Staub an und wird zur Schleifpaste.
Bremsen. Vorne und hinten anziehen und schauen, ob das Rad stehen bleibt. Wenn der Hebel bis zum Lenker durchgeht, ab in die Werkstatt. Das ist kein Bereich für Improvisation.
Licht. Im März wird es noch früh dunkel. Ein Licht, das seit Herbst im Rucksack liegt und leer ist, hilft niemandem.
Was Sie nicht brauchen
Spezialgewand. Für innerstädtische Strecken unter fünf Kilometern reicht das, was Sie ohnehin anhaben. Wer sich für jede Fahrt umziehen muss, fährt weniger, das ist die simple Wahrheit.
Ebenso wenig brauchen Sie das teuerste Rad. Für Salzburger Verhältnisse ist ein solides Stadtrad mit Schutzblechen und Gepäckträger praktischer als ein leichtes Sportrad, auf dem Sie nichts transportieren können und das bei Regen die Hose ruiniert.
Was sich dagegen fast immer auszahlt: ein ordentliches Schloss. Fahrraddiebstahl ist in dieser Stadt ein reales Thema, und ein billiges Kabelschloss ist in unter einer Minute durchtrennt.
Rad und Regen
Salzburg ist eine der niederschlagsreichsten Landeshauptstädte Österreichs, das muss man einfach akzeptieren. Wer nur bei Sonne fährt, fährt hier ungefähr an jedem dritten Tag.
Zwei Anschaffungen ändern alles: eine Regenjacke, die tatsächlich atmungsaktiv ist, und Schutzbleche, die weit genug hinunterreichen. Der nasse Streifen den Rücken hinauf kommt nämlich nicht von oben, sondern vom Hinterrad.
Kind und Rad
Salzburg ist für Kinder eine gute Radstadt, aber nicht überall gleich gut. Die Uferwege sind unproblematisch, die Nebenstraßen in den Wohngebieten auch. Kritisch wird es an den größeren Kreuzungen und dort, wo Radwege plötzlich enden.
Was sich bewährt hat: die Strecke zur Schule einmal gemeinsam abfahren, an einem Sonntagvormittag, wenn wenig los ist. Nicht als Prüfung, sondern um die drei oder vier Stellen anzuschauen, an denen man wirklich aufpassen muss. Kinder merken sich das erstaunlich gut, wenn man es an Ort und Stelle bespricht statt am Küchentisch.
Und dann fährt man einfach
Der beste Moment kommt nach zwei, drei Wochen. Man denkt nicht mehr darüber nach, ob man das Rad nimmt oder nicht. Man geht hinunter, sperrt auf, fährt los. Der Weg zur Arbeit ist plötzlich die angenehmste halbe Stunde des Tages, weil man draußen ist, sich bewegt und dabei nirgends warten muss.
Und im Mai, wenn abends die Sonne über dem Fluss steht und man auf dem Heimweg noch einen Umweg macht, fragt man sich, warum man das Rad überhaupt jemals in den Keller gestellt hat.



