Es riecht nach gebrannten Mandeln, nach Bratwurst, nach dem Rauch von irgendeinem Griller, und über allem liegt dieser leicht süßliche Nebel, den nur Zuckerwatte und Punsch gemeinsam hinbekommen. Der Rupertikirtag ist zurück. Und mit ihm die jährliche Grundsatzfrage jedes Salzburgers: hingehen oder heuer auslassen?
Meine Antwort: hingehen. Aber bitte nicht am Samstagnachmittag um vier.
Warum dieser Kirtag anders ist als jedes Volksfest
Der Rupertikirtag hat eine Eigenheit, die man leicht übersieht: Er findet nicht auf einer Wiese am Stadtrand statt, sondern mitten drin. Rund um den Dom, über die Plätze, in Gassen, die den Rest des Jahres von Auslagen und Reisegruppen bestimmt sind. Diese Verschiebung ist der eigentliche Reiz. Plätze, über die man normalerweise nur zügig hinübergeht, werden plötzlich zu Räumen, in denen man stehen bleibt.
Dazu kommt das Alter. Der Kirtag geht auf das Fest des Landespatrons zurück, und man merkt ihm an, dass er nicht am Reißbrett entstanden ist. Er ist über Jahrhunderte gewachsen, hat sich Sachen einverleibt und andere abgestoßen, und heute steht ein Karussell aus den Fünfzigern neben einem Stand mit Handwerk, das jemand tatsächlich selbst gemacht hat.
Die Uhrzeit entscheidet alles
Wer den Kirtag am Wochenende zwischen 15 und 19 Uhr besucht, erlebt vor allem Rücken. Das ist kein Geheimwissen, das ist Physik. Wer ihn dagegen am Vormittag ansteuert, sieht ein völlig anderes Fest:
- Die Standler sind entspannt und reden mit einem, statt nur zu kassieren.
- Man kommt an die Fahrgeschäfte, ohne anzustehen. Für Familien mit kleinen Kindern ist das der Unterschied zwischen einem schönen Tag und einem Nervenzusammenbruch beim Ringelspiel.
- Das Licht ist besser. Ernsthaft.
Der zweite gute Zeitfenster liegt spätabends, wenn die Familien weg sind und die Musik lauter wird. Dann ist es voll, aber anders voll. Fröhlicher, ein bisschen ausgelassener, und man trifft ziemlich sicher jemanden, den man seit dem Frühjahr nicht gesehen hat.
Tracht, ja oder nein?
Diese Diskussion kommt jedes Jahr, und ehrlich gesagt geht sie mir mittlerweile ein bisschen auf die Nerven. Wer ein ordentliches Dirndl oder eine Lederhose hat und sich darin wohlfühlt, soll das anziehen. Wer lieber in Jeans geht, geht in Jeans. Der Kirtag hat noch nie an der Kleiderordnung gescheitert.
Was allerdings stimmt: Bequeme Schuhe schlagen alles. Sie werden auf Kopfsteinpflaster stehen, und zwar stundenlang. Absätze und Salzburger Altstadt waren noch nie Freunde.
Essen: Bitte nicht nur Bratwurst
Die Wurstsemmel ist ein Klassiker und bleibt ein Klassiker. Aber der Kirtag hat mehr zu bieten, wenn man ein bisschen weitergeht als bis zum ersten Stand. Es gibt gebackene Fischstücke, es gibt Süßes in allen Aggregatzuständen, es gibt in guten Jahren Standln mit regionalem Käse und Speck, wo man sich durchkosten kann, ohne dass es gleich unangenehm wird.
Ein Ratschlag aus Erfahrung: Essen Sie in kleinen Portionen, verteilt über den Nachmittag. Wer sich gleich am Anfang eine große Portion einverleibt, ist zwei Stunden später satt, träge und ärgert sich über die Sachen, die er nicht mehr probieren kann.
Mit Kindern unterwegs
Der Kirtag ist kinderfreundlich, aber er ist auch laut, eng und reizüberflutend. Machen Sie vorher aus, wo man sich trifft, falls jemand verloren geht - und zwar an einem Punkt, den auch ein Sechsjähriger sicher erkennt. Ein bestimmter Brunnen, ein bestimmtes Tor. Nicht „beim Stand mit den Luftballons", davon gibt es nämlich vier.
Und rechnen Sie damit, dass Sie mindestens ein Plüschtier nach Hause tragen werden. Das ist keine Prognose, das ist ein Naturgesetz.
Anreise: Lassen Sie das Auto stehen
Das klingt nach dem üblichen Sermon, aber in diesem Fall meine ich es wirklich so. Die Altstadt ist während des Kirtags in Teilen gesperrt, die Garagen sind früh voll, und die Zeit, die Sie mit Parkplatzsuche verbringen, könnten Sie am Kirtag verbringen. Der Obus bringt Sie zuverlässiger hin, und der Heimweg zu Fuß über die Salzach gehört zum schönsten Teil des Abends.
Ein Wort zum Geld
Ein Kirtagbesuch kostet mehr, als man vorhat. Das liegt nicht an überzogenen Preisen, sondern daran, dass sich vieles zu Kleinbeträgen addiert: ein Punsch da, ein Zuckerwatte dort, zweimal Ringelspiel, ein Los, noch eine Runde. Am Ende ist das Bankomatgeld weg und man weiß nicht genau, wofür.
Wer mit Kindern unterwegs ist, fährt gut damit, vorher ein Budget auszumachen und es in bar mitzunehmen. Nicht als Sparmaßnahme, sondern weil es die Diskussionen beendet. Wenn das Sackerl leer ist, ist es leer, und alle wissen es von Anfang an.
Der Moment, für den man kommt
Irgendwann steht man dann da, mit einem heißen Becher in der Hand, das Karussell dreht sich, die Domtürme sind angestrahlt, und es ist genau kalt genug, dass die Wärme in den Fingern angenehm ist. In diesem Moment ist völlig egal, wie voll es ist.
Deswegen geht man hin. Jedes Jahr wieder.



