Es gibt in Salzburg wenige Wochen, die so stark ihren eigenen Charakter haben wie die Karwoche. Die Stadt wird leiser, obwohl mehr Leute da sind. Die Kirchen füllen sich, auch mit Menschen, die den Rest des Jahres keinen Fuß hineinsetzen. Und über allem liegt eine Erwartung, die zur Hälfte religiös ist und zur anderen Hälfte einfach damit zu tun hat, dass endlich Frühling wird.
Die Musik gehört zu dieser Woche
Wer in dieser Stadt lebt und noch nie in der Karwoche in einer Kirche war, versäumt etwas, unabhängig davon, wie man zum Glauben steht. Die Passionsmusik, die in diesen Tagen aufgeführt wird, ist in Räumen zu hören, für die sie geschrieben wurde, und der Unterschied zu einer Aufnahme ist gewaltig.
Es ist auch der eine Moment im Jahr, in dem sakrale Musik nicht als Kulturkonsum daherkommt, sondern eingebettet in einen Ablauf. Man sitzt nicht im Konzert, man ist Teil von etwas, das seit Jahrhunderten in derselben Reihenfolge passiert.
Ein praktischer Hinweis: Kommen Sie früh. Bei den großen Terminen ist es voll, und die Sitzplätze mit gutem Blick sind eine halbe Stunde vorher weg.
Die Ratschen und andere alte Sachen
Zwischen Gründonnerstag und der Osternacht schweigen die Glocken. Die klassische Erklärung für Kinder ist, dass sie nach Rom fliegen. In manchen Orten rund um die Stadt ziehen in diesen Tagen noch Kinder mit hölzernen Ratschen durch die Gassen und ersetzen mit dem Lärm, was sonst die Glocken tun.
Man begegnet dem seltener als früher, und wenn, dann eher in den umliegenden Gemeinden als mitten in der Stadt. Aber wenn man es hört, ist es eines dieser Geräusche, die sofort eine Kindheitserinnerung aufmachen, auch bei Leuten, die sonst wenig mit Traditionen am Hut haben.
Der Ostermarkt und was man dort kaufen sollte
Rund um die Feiertage stehen auf den Plätzen der Altstadt die Standln mit Handwerk, Palmbuschen, gefärbten Eiern und den üblichen Kleinigkeiten. Die Qualität schwankt beträchtlich, wie überall.
Worauf sich das Hinschauen lohnt:
- Handgefärbte Eier mit Naturfarben. Zwiebelschale, rote Rüben, Kurkuma. Man sieht den Unterschied sofort, weil die Farben unregelmäßig sind.
- Regionale Sachen fürs Osterfrühstück. Geselchtes, Kren, Käse, ein gutes Brot.
- Und ehrlich gesagt: der Kaffee im Stehen, während man schaut. Die Stimmung ist der Grund, hinzugehen, nicht die Einkaufsliste.
Das Osterfrühstück ist die eigentliche Hauptsache
In vielen Familien hier ist nicht das Mittagessen am Ostersonntag der Höhepunkt, sondern das Frühstück danach. Geweihtes aus dem Weihkorb, Geselchtes, hartgekochte Eier, Kren, Osterbrot, Butter.
Es ist nicht raffiniert. Es ist ein Frühstück, das aus einer Zeit stammt, in der davor sieben Wochen gefastet wurde und Fleisch am Tisch ein Ereignis war. Genau deshalb funktioniert es aber immer noch: Man isst langsam, man sitzt lange, und irgendwann geht die Sonne so weit herauf, dass man auf den Balkon oder in den Garten übersiedelt.
Und dann kippt es
Das ist der Teil, den ich an Ostern in Salzburg am meisten mag. Am Karfreitag ist die Stadt gedämpft, fast beklemmend. Am Ostermontag sitzen die Leute in den ersten Schanigärten und trinken ein Bier in der Sonne.
Dieser Umschwung innerhalb von drei Tagen ist ziemlich brutal und ziemlich schön. Er markiert das Ende des Winters deutlicher als jedes Datum im Kalender.
Wenn Sie Besuch haben
Rechnen Sie damit, dass an den Feiertagen selbst vieles zu hat. Der Karfreitag und der Ostersonntag sind in dieser Stadt ruhige Tage, die Geschäfte sind geschlossen, und die Gastronomie hat teilweise eingeschränkt offen.
Das ist kein Nachteil, wenn man es einplant. Ein Spaziergang auf den Kapuzinerberg am Ostersonntagvormittag, wenn unten die Glocken wieder läuten und man von oben über die Stadt schaut, ist besser als jedes Programm, das man buchen könnte.
Wenn das Wetter nicht mitspielt
Ostern fällt in dieser Gegend regelmäßig in eine Woche, in der es genauso gut schneien wie zwanzig Grad haben kann. Das ist der Nachteil eines Termins, der sich nach dem Mond richtet und nicht nach dem Klima.
Deshalb: Planen Sie das Osterfrühstück drinnen und freuen Sie sich, wenn es draußen geht. Umgekehrt endet es in Hektik, wenn um neun Uhr in der Früh der erste Regen kommt und alle mit Tellern durch die Gegend laufen.
Was bleibt
Ostern ist in Österreich ein Fest, das viele Leute für weniger wichtig halten als Weihnachten. Ich glaube, das stimmt nicht. Weihnachten ist laut, teuer und emotional aufgeladen. Ostern ist ruhiger, günstiger und hat den unschlagbaren Vorteil, dass danach das Licht zurückkommt.
Man geht am Montagabend heim, hat zu viel gegessen, ein bisschen Sonne im Gesicht, und weiß: Jetzt kommt der gute Teil des Jahres.



