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Stadtleben

Nonntal oder Lehen? Was die Stadtteile über ihre Bewohner verraten

20. Mai 2026

Wenn man in dieser Stadt jemanden neu kennenlernt, kommt nach dem Namen und dem Beruf ziemlich schnell die Frage, wo man wohnt. Und die Antwort verändert das Gespräch. Nicht dramatisch, aber merklich.

Das ist nicht schön, aber es ist so. Und es ist interessant genug, um darüber zu reden.

Nonntal: die stille Variante von Altstadt

Das Nonntal liegt südlich der Altstadt, geschützt zwischen Mönchsberg und Kapuzinerberg, und es hat das, was Immobilienleute Lagequalität nennen. Enge Straßen, viel Grün, alte Bausubstanz, dazwischen Institutionen mit langer Geschichte.

Es ist ruhig. Es ist wirklich ruhig, auf eine Art, die man an einem Werktagvormittag fast unheimlich findet, wenn man aus einem lauteren Bezirk kommt. Man hört Vögel und gelegentlich ein Auto.

Der Preis dafür steht auf jedem Inserat. Wer im Nonntal eine Wohnung sucht, braucht entweder ein sehr gutes Einkommen, eine Erbschaft oder einen Mietvertrag aus den Achtzigern. Die Wartelisten sind kein Gerücht.

Lehen: laut, jung, unterschätzt

Auf der anderen Salzachseite, nordwestlich, liegt Lehen. Dicht bebaut, verkehrsreich, mit Wohnblöcken aus verschiedenen Nachkriegsjahrzehnten und einer Bevölkerung, die deutlich jünger und internationaler ist als im Rest der Stadt.

Lehen hat lange einen mäßigen Ruf gehabt. Zu laut, zu grau, zu wenig Salzburg. Und ein Teil davon stimmt sogar - an der Hauptverkehrsachse möchte ich nicht im Erdgeschoß wohnen.

Was dabei untergeht: In Lehen gibt es Sachen, die es im Nonntal einfach nicht gibt. Läden mit Lebensmitteln aus einem Dutzend Ländern. Lokale, in denen man um zehn Uhr abends noch etwas Warmes bekommt. Eine Nachbarschaft, in der die Leute auf der Straße reden statt hinter Hecken.

Was der Vergleich eigentlich zeigt

Die Gegenüberstellung ist ein bisschen unfair, weil sie zwei Extreme nimmt. Die meisten Salzburger wohnen weder im einen noch im anderen, sondern irgendwo dazwischen: in Maxglan, in Itzling, in Aigen, in Gnigl.

Aber die beiden zeigen sehr klar, welche Frage sich in dieser Stadt eigentlich stellt. Nicht: Wo ist es schöner? Sondern: Was ist Ihnen wichtiger, Ruhe oder Leben?

Und die ehrliche Antwort ändert sich im Lauf eines Lebens. Mit fünfundzwanzig hätte ich Lehen genommen, ohne nachzudenken. Mit einem kleinen Kind sieht die Rechnung anders aus, und mit sechzig vermutlich wieder.

Die praktischen Sachen, die niemand vorher bedenkt

  • Wie lange braucht man in die Stadt, und zwar realistisch, nicht nach Kartenprogramm? Mit dem Rad ist in Salzburg fast alles unter zwanzig Minuten. Mit dem Obus in der Früh kann dieselbe Strecke eine halbe Stunde dauern.
  • Wo kauft man ein? Das klingt banal, entscheidet aber jeden einzelnen Tag über die Lebensqualität. Ein Supermarkt fußläufig ist mehr wert als ein Balkon.
  • Und: Wie ist es abends? Eine Straße, die um vier ruhig wirkt, kann um elf ein Schleichweg sein.

Das Thema, um das sich alles dreht

Der Mietzins. Salzburg gehört zu den teuersten Städten Österreichs, gemessen an dem, was hier verdient wird, und das drückt seit Jahren auf alles. Junge Leute ziehen ins Umland, weil sie in der Stadt nichts finden. Pendlerverkehr nimmt zu. Und Stadtteile, die einmal leistbar waren, sind es nach einer Aufwertungsrunde nicht mehr.

Es gibt darauf keine einfache Antwort, und ich werde sie hier auch nicht liefern. Was man aber sagen kann: Die Wahl zwischen Nonntal und Lehen treffen die wenigsten wirklich frei. Meistens entscheidet, was man sich leisten kann und wo gerade etwas frei wird.

Der Rest der Stadt

Zwischen den beiden Polen liegt das, wo die meisten tatsächlich leben. Maxglan mit seiner Mischung aus alten Häusern und Wohnbauten. Itzling, das sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Aigen und Parsch, wo es grüner und teurer wird, je weiter man Richtung Hang kommt. Gnigl und Schallmoos, wo Gewerbe und Wohnen dicht nebeneinander liegen.

Jeder dieser Stadtteile hat seine eigene Rechnung aus Preis, Anbindung und Lärm. Und in jedem gibt es Straßenzüge, die deutlich besser sind als der Ruf des ganzen Bezirks.

Der Vorteil, den alle haben

Bei allem Gejammer - und ich jammere mit - hat Salzburg eine Eigenschaft, die viel wert ist: Es ist klein. Vom hintersten Winkel Lehens bis in die Altstadt ist es mit dem Rad eine Viertelstunde. Der Mönchsberg ist von überall erreichbar. Und die Berge fangen dort an, wo die Stadt aufhört.

In einer Millionenstadt ist die Frage nach dem Stadtteil eine Frage danach, welchen Teil der Stadt man überhaupt je sieht. Hier ist sie eine Frage danach, wie man wohnen möchte.

Das ist ein deutlich angenehmeres Problem.

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