Es ist der 19., halb neun in der Früh, und in der Getreidegasse geht schon niemand mehr in gerader Linie. Vor den Auslagen bilden sich Trauben, die Lieferwagen stehen doppelt, und irgendjemand telefoniert lautstark darüber, dass die bestellte Sache doch nicht rechtzeitig kommt.
Willkommen in der letzten Woche. Sie ist jedes Jahr gleich, und jedes Jahr sind alle überrascht.
Zuerst die gute Nachricht
Es ist alles machbar. Wirklich. Was in dieser Woche schiefgeht, geht meistens nicht deshalb schief, weil zu wenig Zeit da wäre, sondern weil man in der falschen Reihenfolge und zur falschen Uhrzeit unterwegs ist.
Die Altstadt hat in diesen Tagen einen sehr klaren Rhythmus. Zwischen halb zehn und halb sieben ist sie voll. Davor und danach ist sie fast leer. Diese Information ist mehr wert als jede To-do-Liste.
Der Einkauf: früh oder gar nicht
Wer um acht in der Früh in der Stadt ist, erledigt in vierzig Minuten, wofür er am Nachmittag zwei Stunden braucht. Die Geschäfte sperren früh auf, die Leute schlafen noch, und man bekommt tatsächlich Beratung statt einer gehetzten Handbewegung Richtung Regal.
Für Lebensmittel gilt dasselbe, nur schärfer. Der 23. und der 24. am Vormittag sind in jedem Supermarkt der Stadt ein Ausnahmezustand, den man freiwillig nicht mitmachen muss. Wer die Sachen kauft, die haltbar sind - Getränke, Konserven, Backzutaten, alles Tiefgekühlte - schon jetzt einkauft, hat am 23. nur noch eine kleine, überschaubare Liste.
Was man tatsächlich frisch holen muss
Erstaunlich wenig. Salat, frische Kräuter, Milchprodukte, das Fleisch oder der Fisch für den Abend. Und selbst da lohnt es sich, rechtzeitig zu bestellen - beim Fleischer, beim Fischhändler, wo auch immer. Das kostet ein Telefonat und spart eine halbe Stunde Wartezeit an einem Tag, an dem eine halbe Stunde viel Geld wert ist.
Die Sache mit dem Verkehr
Sagen wir es klar: Mit dem Auto in die Altstadt zu fahren, ist in dieser Woche eine Form der Selbstbestrafung. Die Garagen sind ab halb elf voll, die Zufahrten stauen sich, und die gesparte Gehzeit verliert man dreifach beim Ein- und Ausparken.
Der Obus ist in diesen Tagen ebenfalls voll, aber er kommt an. Und wer aus einem der Stadtteile jenseits der Salzach kommt, ist zu Fuß über eine der Brücken oft schneller unterwegs als jedes Fahrzeug.
Der Nachmittag des 24.
Es gibt in Salzburg einen sehr besonderen Moment, und der beginnt ungefähr um zwei am Heiligen Abend. Die Geschäfte schließen, die letzten Leute hasten mit Sackerln nach Hause, und dann - innerhalb von vielleicht einer Stunde - kippt die Stadt.
Plötzlich ist es still. Die Gassen sind leer, die Beleuchtung brennt für niemanden, und man hört die eigenen Schritte auf dem Pflaster. Wer einmal am späten Nachmittag des 24. durch die Altstadt gegangen ist, versteht, warum manche Leute das inzwischen als Ritual haben.
Es ist eine der ganz wenigen Gelegenheiten im Jahr, an denen diese Stadt sich anfühlt, als würde sie einem ganz allein gehören.
Ein Wort zu den Erwartungen
Die letzte Woche vor Weihnachten ist auch die Woche, in der die Familien am meisten aneinandergeraten. Nicht weil sich alle plötzlich weniger mögen, sondern weil sich Stress, Geld und alte Geschichten an einem sehr kleinen Ort treffen.
Was hilft: weniger vornehmen. Ein Gang weniger beim Abendessen fällt niemandem auf. Ein Besuch weniger auch nicht. Was auffällt, ist eine gereizte Gastgeberin, die um sechs noch in der Küche steht und niemanden ansieht.
Und wenn Sie zu denen gehören, die heuer allein sind oder allein sein werden: Es ist keine Schande, sich in diesen Tagen einen Plan zu machen. Ein Spaziergang am Salzachufer, ein Anruf, eine Messe, egal. Nur nicht die vier Wände und die Erwartung, dass es einfach vorbeigeht.
Geschenke in letzter Minute
Es gibt Rettungsanker, und die besten sind nicht die Gutscheinständer beim Supermarkt. In der Altstadt und in den Stadtteilen gibt es kleine Geschäfte, in denen um den 22. herum noch Beratung stattfindet, weil dort niemand im Akkord kassiert.
Was fast immer funktioniert: etwas Verbrauchbares von guter Qualität. Ein ordentlicher Kaffee, ein Honig aus der Region, ein Schnaps von einem kleinen Brenner. Das steht später nicht im Weg herum und wird tatsächlich verwendet, was man von vielen gut gemeinten Dekorationsartikeln nicht behaupten kann.
Und dann ist es soweit
Irgendwann sitzt man dann. Draußen ist es dunkel, in der Wohnung riecht es nach dem, was auch immer heuer gekocht wurde, und die Hektik der letzten Tage ist so weit weg, dass man sich kaum mehr daran erinnert, worüber man sich am Dienstag noch so aufgeregt hat.
Genau darauf läuft die ganze Woche hinaus. Man muss nur bis dorthin kommen, halbwegs unbeschädigt.



